Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung

BezeichnungInhaltBezeichnungInhalt
Name:125/07  
Aktenzeichen:FB 6 - Eg
Art:Beschlussvorlage  
Datum:15.02.2007  
Betreff:Hier: Projektarbeit des PKA Florian Mock, Fachhochschule für öffentli-
che Verwaltung, Münster
DokumenttypBezeichnungAktionen
Dokument anzeigen: Beschlussvorlage Dateigrösse: 135 KB Beschlussvorlage 135 KB
  • Symbol Ordner mit Stern

Beratungen:

BeratungGremiumTOPZuständigBeschlussAbstimmungDokumente
29.03.2007Bauausschuss5Entscheidung 
DokumenttypBezeichnungAktionen
Dokument anzeigen: Einladung Öffentlich Dateigrösse: 51 KB Einladung Öffentlich 51 KB
Dokument anzeigen: Niederschrift Öffentlich Dateigrösse: 118 KB Niederschrift Öffentlich 118 KB

Inhalt:

Beschlussvorschlag/Empfehlung:

Der BauB-Ausschu nimmt die Projektarbeit zum Thema Angstraum Stadt Rheine? Welche Auswirkung hat die Abschaltung der Straenbeleuchtung in Rheine auf das Sicherheitsempfinden der Brger?, zur Kenntnis.

(Autoren: Herr Polizeikommissaranwrter Mock und Herr Prof. Dr. Frevel, Fachhochschule fr ffentliche Verwaltung Mnster)

 


Begrndung:

Seit dem 01.02.2005 wird in der Zeit von 01:00 Uhr bis 03:30 Uhr die Straenbeleuchtung abgeschaltet. Ausnahmen sind die Nchte von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag, sowie vor Feiertagen. Aus Grnden der Verkehrssicherungspflicht werden lediglich elf ausgewiesene Fugngerberwege im Stadtgebiet durchgehend beleuchtet.

 

Das Thema Nachtabschaltung der Straenbeleuchtung in Rheine wurde vom Polizei-Kommissar-Anwrter PKA Herrn Mock, Kreispolizeibehrde Steinfurt, aufgegriffen. Herr Mock absolviert derzeit eine Ausbildung zum Polizeikommissar an der Fachhochschule fr ffentliche Verwaltung in Mnster. Im Zuge seiner Ausbildung schrieb Herr Mock eine Projektarbeit zum Thema Angstraum Stadt Rheine? Welche Auswirkung hat die Abschaltung der Straenbeleuchtung in Rheine auf das Sicherheitsempfinden der Brger? die Projektarbeit wurde von Herrn Prof. Dr. Frevel betreut.

Die Arbeit hat es sich zur Aufgabe gestellt herauszufinden, in wieweit die Lichtabschaltung Einfluss auf das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevlkerung nimmt und ob dies im Verhltnis zu den tatschlichen Einsatzzahlen der Polizei in Rheine gerechtfertigt ist. Weiterhin wird hier auf die Frage eingegangen, in welchem Verhltnis die tatschlichen Kosteneinsparungen der Stadt Rheine zum mglicherweise vernderten Sicherheitsempfinden der Bevlkerung stehen.

 

Die Projektarbeit ist wie folgt aufgebaut: Zunchst beschreibt Herr Mock im Kapitel 1 - Einfhrung -, die Aufgabenstellung und die Beweggrnde seiner Projektarbeit. In den weiteren Kapiteln erlutert er aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Straenbeleuchtung. Er geht auf dessen Anforderungen und Aufgaben ein, und beschreibt allgemeine Auswirkungen der Beleuchtung auf die Kriminalitt.

 

Im Kapitel 1.3 erlutert Herr Mock die Hintergrnde der Nachabschaltung aus Sicht der Stadt Rheine und aus Sicht der freien Presse.

 

Im Kapitel 1.4 werden die Befragungsverfahren erklrt (Face-to-Face-Befragung, Fragebogen, Zufallsweg-Befragung). Die Daten daraus wurden von Herrn Mock analysiert. Die Ergebnisse sind mit den Daten des Polizeicomputers (CEBIUS-System) verglichen worden.

 

Bei den nachfolgenden Ausfhrungen handelt es sich um Auszge der Projektarbeit. Die vollstndige, 40-seitige Projektarbeit wird im Zuge der Schriftenreihe Die Rheine Information, des stdtischen Baudezernates verffentlicht. Die Verwertung und Verffentlichung der Ergebnisse erfolgt mit schriftlicher Zustimmung des Autors, Herrn Mock.

 

Aus Kap. 2.1 - Auswertung der der Brgerbefragung -

 

Wie sicher fhlen Sie sich in Rheine

auf einer Skala von 1 10 ?

Von den 101 befragten Brgern der Stadt Rheine, tendierte die Mehrheit (62 Personen) zu einer subjektiven Sicherheitseinschtzung, die ber dem Wert Fnf liegt. Lediglich 39 Personen gaben einen Wert mit Fnf oder geringer an. Der am hufigsten genannte Wert, ist mit 27 Angaben die Acht. Gefolgt von dem Wert Fnf, mit 22 Angaben sowie dem Wert Sieben, mit immerhin noch 16 Angaben. Der Gesamtdurchschnitt der Befragung ergibt eine Quote von 6,22. Somit kann hier festgestellt werden, dass die Mehrzahl der Befragten zu einem positiven Sicherheitsempfinden neigt.

 

Glauben Sie, dass durch die Lichtabschaltung die Kriminalitt in Rheine zugenommen hat?

Die Frage nach den Auswirkungen der Lichtabschaltung auf einen mglichen Kriminalittszuwachs wurde von 59 Befragten bejaht. 41 Personen, also gerade mal 18 weniger, verneinten diese Frage. Somit ist hier kein klares Votum zu erkennen.

 

Fhlen Sie sich durch die Lichtabschaltung unsicherer?

Eine klare Aussage ergibt sich durch die Befragung hinsichtlich des Zusammenhanges zwischen der Lichtabschaltung und der persnlichen Unsicherheit. Gerade mal ein Drittel (37 Pers.) teilten mit, dass Sie sich durch die Lichtabschaltung unsicherer fhlen wrden. Die berwiegende Mehrheit (64 Pers.) fhlen sich nicht beeintrchtigt.

 

Haben Sie deswegen ihr nchtliches Ausgehverhalten gendert?

Auch auf das Ausgehverhalten hat die Lichtabschaltung keine besondere Auswirkung. Lediglich 21 Personen gaben an, durch die Lichtabschaltung ihr Ausgehverhalten gendert zu haben. 80 Personen fhlen sich dadurch nicht beeintrchtigt. Wobei viele der Befragten angaben, dass Sie zu den besagten Zeiten ehedem schon schlafen wrden, somit also eine Beeintrchtigung des Ausgehverhaltens sowieso nicht in Frage kme.

 

Die Stadt Rheine kann bis zu 65.000,- /Jahr durch die Lichtabschaltung einsparen. Glauben Sie, dass diese Einsparung im Verhltnis zur Sicherheit gerechtfertigt ist?

Ein eindeutiges Votum ergibt sich hinsichtlich der Einsparungen der Stadt Rheine, im Verhltnis zur Sicherheit. 25 Personen befrworteten die Einsparungen und wren bereit, dafr Einschrnkungen hinsichtlich der Sicherheit in Kauf zu nehmen. 66 Personen teilten diese Ansicht nicht und 10 Personen konnten sich bzgl. einer Entscheidung nicht einigen.

 

Aus Kap. 2.2 - Bewertung der Brgerbefragung -

 

Aus der Befragung lsst sich erkennen, dass sich die persnliche Einschtzung hinsichtlich des subjektiven Sicherheitsempfindens, erheblich auf das persnliche Gefhl der Befragten sttzt und sich die Personen grundstzlich in Rheine sicher fhlen. Die Wenigsten sind zur Zeit der Lichtabschaltung Opfer einer Straftat geworden.

 

Auerdem gaben viele der Befragten an, zur Zeit der Lichtabschaltung gar nicht mehr unterwegs zu sein und auch ihr Ausgehverhalten diesbzgl. nicht gendert zu haben.

 

Jedoch, obwohl sich eine Mehrheit dafr ausgesprochen hat, dass die Kriminalitt durch die Lichtabschaltung zugenommen hat und das die Einsparung der Stadt Rheine im Verhltnis zum Sicherheitsgedanken nicht gerechtfertigt ist, kommt ein Grossteil der Befragten zu dem Schluss, dass sie sich persnlich nicht Unsicherer fhlen.

 

Hier ist meiner Auffassung nach ein Widerspruch erkennbar, der aus meiner Sicht nur rein psychologisch erklrt werden kann.

 

Aus der Befragung zum Sicherheitsempfinden lsst sich klar ableiten, dass sich die Leute nicht auf belegbare Fakten, sondern berwiegend auf ihr Gefhl verlassen. Somit kann dieses Verhalten auch die Grnde fr diesen Widerspruch liefern. Grundstzlich zieht jeder Licht der Dunkelheit vor. Allein die Vorstellung in absoluter Dunkelheit zu sein produziert Angst. Also allein die Vorstellung, dass Dunkelheit mit Negativem und Schlechtem in Zusammenhang gebracht wird, wrde ausreichen, zu erklren, warum eine kleine Mehrheit zu dem Ergebnis kommt, dass die Kriminalitt bei Dunkelheit, sprich Lichtabschaltung, zunimmt, die Leute sich aber trotzdem nicht unsicherer fhlen, da Sie die Lichtabschaltung berwiegend gar nicht mitbekommen.

 

Somit kann geschlussfolgert werden, dass die Lichtabschaltung zur Nachtzeit keinen groen Einfluss auf das Sicherheitsempfinden der befragten Brger hat.

 

Aus Kap. 3 - Einsatzzahlen der Polizei -

 

Ob sich die Kriminalitt in Rheine durch die Lichtabschaltung verndert hat, lsst sich am einfachsten durch den direkten Vergleich der Einsatzzahlen der Polizei in Rheine feststellen.

 

Zu diesem Zweck wurden vier vorher festgelegte Zeitrume definiert. Die zwei Zeitrume whrend der Lichtabschaltung waren der 01.02.2005 bis zum 31.10.2005 und der 01.02.2006 bis zum 31.10.2006. Die beiden Vergleichszeitrume whrend der noch durchgehenden Beleuchtung waren der 01.02.2003 bis zum 31.10.2003 und der 01.02.2004 bis zum 31.10.2004.

 

Im so genannten CEBIUS-System der Polizei NRW werden alle eingehenden Einstze und Eigeneinstze der Polizei protokolliert. D.h., dort wird u.a. festgehalten, in welchem Zeitraum ein Einsatz stattgefunden und um was fr einen Einsatz es sich dabei gehandelt hat.

 

Folgende Straftaten wurden ausgewertet: Sachbeschdigungen, Krperverletzungen, Diebsthle einschlielich der besonders schweren Flle, Sexual- und Raubdelikte.

 

Fr die Auswertung wurden nur die Daten der Einstze verwendet, die an den entsprechenden Tagen und zur Zeit der Lichtabschaltung, stattgefunden haben. Da die Lichtabschaltung im Zeitraum von 01:00 03:30 Uhr durchgefhrt wird, wurden nur die entsprechenden Straftaten gewertet, deren Beginn in der CEBIUS-Datei zwischen 01:00 und 03:30 Uhr protokolliert wurde.

 

Ergebnisse der Auswertung der Polizei-Einsatzzahlen:


 

Jahr

2003

2004

2005

2006

Deliktart

Anzahl

Vernderung

Anzahl

Vernderung

Anzahl

Vernderung

Anzahl

 

 

(+/-)

 

(+/-)

 

(+/-)

 

Raubdelikte

3

(-3)

0

(+2)

2

(-2)

0

Sachschden

3

(-2)

1

(+2)

3

(+2)

5

Diebstahlsdelikte

30

(-7)

23

(+3)

26

(-5)

21

Krperverletzung

12

(+/-0)

12

(-4)

8

(+2)

10

Sexualdelikte

0

(+/-0)

0

(+4)

4

(-4)

0

Summe

48

 

36

 

43

 

36

 

Allgemein lsst sich vom Vergleichszeitraum 2003 zum Vergleichszeitraum 2004 eine Senkung aller erfassten Straftaten um 25% feststellen. Vom Vergleichszeitraum 2004 zum Vergleichszeitraum 2005 jedoch eine Steigerung um 19,44 %. Dies ist der erste direkte Vergleich zwischen einem Zeitraum mit und ohne Lichtabschaltung. Vom Vergleichszeitraum 2005 zum Vergleichszeitraum 2006 haben wir jedoch wieder eine Reduzierung aller erfassten Straftaten um 16,28 % zu verzeichnen. Anhand dieses direkten Vergleiches, aller erfassten Straftaten, lsst sich hier also kein klares Bild bzgl. einer Steigerung der Straftaten, bedingt durch die Lichtabschaltung, feststellen.

 

Abschlieend kann festgestellt werden, dass die Bewertung der einzelnen Delikte untereinander, in den verschiedenen Vergleichszeitrumen insgesamt, auch keinen Hinweis auf eine auffllige, kontinuierliche Steigerung aufgrund der Lichtabschaltung zulsst.

 

Aus Kap. 4 - Bewertung der Einsatzzahlen im Verhltnis zu den Umfrageergebnissen -

 

Das Ergebnis hinsichtlich der Bewertung der Brgerbefragung hat ergeben, dass die Lichtabschaltung zur Nachtzeit keine unmittelbare, negative Beeintrchtigung auf das Sicherheitsempfinden der Befragten hat.

 

Das Ergebnis bzgl. Auswertung der Einsatzzahlen hat ebenfalls keine auffllige Vernderung hinsichtlich einer Zunahme, der vorher fest definierten Straftaten im Stadtgebiet Rheine, zu den Zeiten der Lichtabschaltung, ergeben.

 

Als abschlieende Bewertung des Vergleiches zwischen der Brgerbefragung und der Auswertung der Einssatzzahlen kann somit folgendes festgestellt werden: Die Lichtabschaltung im Stadtgebiet Rheine, hat weder einen negativen Einfluss auf das Sicherheitsempfinden der Brger noch auf erhhte Einsatzzahlen der Polizei.

 

Aus Kap. 5 - Resmee -

 

Trotz der subjektiven Eindrcke der Befragten, sprechen die tatschlichen Ergebnisse, sowohl der Umfrage als auch der polizeilichen Auswertung der Einsatzzahlen, eine andere Sprache.

 

Das sich die Ergebnisse einer solchen Projekt-Arbeit, natrlich immer nur aus den Mehrheiten einer Umfrage ergeben, lsst deutlich werden, dass es natrlich auch Mindermeinungen gibt, die entsprechend anders Empfinden, als die Mehrheit. Dies ist jedoch nur dann als problematisch anzusehen, wenn die Umfragewerte sehr knapp ausfallen. Im Falle der hier durchgefhrten Umfragen haben sich aber recht eindeutige Mehrheiten entwickelt, so dass hier tatschlich nur von Mindermeinungen die Rede ist und das Ergebnis als Ganzes nicht schwanken lsst.

 

Eindeutiger wird es da schon bei den Einsatzzahlen der Polizei in Rheine. Hier sind ganz klar keine negativen Tendenzen bemerkbar und das Ergebnis somit unumstlich.

 

Auf die zu Beginn der Arbeit gestellten Fragen, knnen somit zum Abschluss dieser Arbeit auch klare Antworten gegeben werden:

 

  • Die Lichtabschaltung hat weder dazu gefhrt, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevlkerung in Rheine gesunken ist, noch hat sich dadurch das gesamte Stadtgebiet zu einem grorumigen Angstraum entwickelt.

 

  • Das Einsatzgeschehen der Polizei in Rheine wurde durch die Lichtabschaltung nicht beeintrchtigt. Die Einsatzzahlen sind durch alle Vergleichszeitrume hindurch berwiegend konstant geblieben.

 

  • Die Kosteneinsparungen der Stadt Rheine hinsichtlich der Lichtabschaltung sind durchaus zu rechtfertigen.

 

  • Durch die Lichtabschaltung in Rheine ergeben sich keine besonderen Aufflligkeiten. Es stellen sich somit keine gesteigerten Erwartungen oder besondere Handlungsanforderungen an die Polizei in Rheine.

 

  • Anmerkung der Technischen Betriebe zu den finanziellen Auswirkungen: Durch die 2-stndige Nachtabschaltung der Straenbeleuchtung wird fr den stdtischen Haushalt ein jhrlicher Konsolidierungsbeitrag in Hhe von 72.000 geleistet. Mit dem konomischen Vorteil verbunden ist der kologische Effekt einer CO2-Reduzierung in Hhe von ca. 420 to pro Jahr.

 

 


Anlagen:

 

./.