Betreff
Städtische Museen - Beschäftigung eines wissenschaftlichen Mitarbeitenden für Dokumentation und Depoteinrichtung
Vorlage
180/24
Art
Beschlussvorlage

Beschlussvorschlag/Empfehlung:

 

Der Betriebsausschuss Stadtkultur Rheine beschließt:

 

1.      Die Stelle der wissenschaftlichen Fachkraft mit einer Befristung von drei Jahren ist neu auszuschreiben.

 

2.      Die hierfür erforderlichen Mittel werden innerhalb des Bereichs der Städtischen Museen durch Umschichtung bereitgestellt.

 


Begründung:

Ausgangslage:

Die Depotsituation der Städtischen Museen in Rheine ist seit langem problematisch. Die Räumlichkeiten selbst sind in Hinblick auf die klimatischen und konservatorischen Bedingungen völlig unzureichend, die Verzeichnung der Objekte lückenhaft und ungenau. Zudem verursachen die angemieteten Räumlichkeiten hohe Nebenkosten. Der beschlossene Neubau und die Einrichtung eines Zentralmagazins, in dem das Stadtarchiv und die Städtischen Museen für ihre Objekte eine geeignete Unterbringung finden, hat daher in der Arbeit der Stadtkultur Rheine oberste Priorität.

Die notwendige Planung setzt jedoch eine genaue Kenntnis des Sammlungsbestandes der Städtischen Museen voraus. Diese Kenntnis liegt aktuell nicht vor. In Vorbereitung dieser Maßnahme wurde daher zum 01.02.2022, befristet für 36 Monate, die Stelle einer wissenschaftlichen Fachkraft für Inventarisierung eingerichtet und besetzt. Nach einem Personalwechsel Ende 2023 wurde diese Stelle erneut ausgeschrieben und zum 01.02.2024 für die verbliebenen 13 Monate besetzt. Durch die Zusage einer (unbefristeten) Stelle in einem anderen Museum hat diese Fachkraft nach nur drei Monaten gekündigt.

Probleme:

Im Zusammenhang mit der Dokumentation und Inventarisierung haben sich folgende Erschwernisse ergeben, die einem fristgerechten Abschluss der Maßnahme (Anfang 2025) entgegenstehen:

·         Durch die nun erfolgten Inventarisierungsmaßnahmen stellte sich heraus, dass die Zahl der zu erfassenden Objekte deutlich höher ist als angenommen, da u.a Objektkonvolute als ein Objekt gezählt wurden. Derzeit beläuft sich die Zahl der Objekte in den Depots und der ständigen Sammlung aller vier Häuser inkl. der Leihgaben auf 10.648 archäologische Objekte und 21.335 Exponate unterschiedlicher Bereiche, wie Kunst, Volkskunde etc. Es gibt zudem immer noch Objekte, die bisher nicht inventarisiert sind und daher in diesen Zahlen nicht berücksichtigt wurden.

·         Von den rund 32.000 Objekten (inkl. Archäologie) sind von derzeit rund 5.000 die Maße unbekannt.

·         Rund ein Drittel der Objekte (exkl. Archäologie) muss digital erfasst werden.

·         2.500 archäologische Objekte müssen noch ersterfasst werden.

·         Von ca. 70 % der gesamten Sammlung fehlt die konkrete Standortangabe, teilweise ist jedoch die Ortsangabe erfasst.

·         Bei einer Vielzahl der Objekte sind nur die Grunddaten (Objekttitel oder Künstler, Titel, Datierung) angelegt. Weiterführende Informationen fehlen. Eine Überprüfung der Angaben konnte noch nicht vorgenommen werden.

·         Leihgaben und Dauerleihgaben müssen komplett überprüft werden.

·         Für eine ordnungsgemäße Dokumentation der Objekte muss die Situation in den aktuell genutzten Depots dringend verbessert werden. Hier ist weder ein Arbeitsplatz eingerichtet, noch ist die Erreichbarkeit der Objekte gewährleistet, da sie lediglich übereinandergestapelt wurden.

·         Der konservatorische Zustand zahlreicher Objekte ist bisher nur unzureichend geprüft. Ein Schädlingsmonitoring muss noch vorgenommen werden.

·         Zudem wird noch in diesem Jahr das Museumsmanagementsystem MuseumPlus in eine neue cloudbasierte Version überführt, da die alte Version nicht mehr unterstützt wird. Dies wird das Arbeiten im Museum langfristig erleichtern, da nun beispielsweise eine unkomplizierte Onlinestellung der Bestände der Städtischen Museen z.B. bei museum-digital möglich sein wird. Jedoch sind auch hier zahlreiche Besprechungsbedarfe und Nacharbeiten zu erwarten.

 

Vorschlag:

Die befristete Stelle der wissenschaftlichen Fachkraft könnte mit einer Befristung bis zum 30.09.2027, also für drei Jahre neu ausgeschrieben werden. Die Stelle würde aus Eigenmitteln der Städtischen Museen finanziert, indem Mittel für Werkverträge - wie bisher - umgeschichtet werden und zusätzlich die wissenschaftliche Volontariatsstelle für zwei Jahre temporär ausgesetzt werden würde.

Begründung:

Das Zentraldepot der Stadt Rheine hat Priorität. Nicht nur die Arbeit der Städtischen Museen hängt von einem funktionierenden Depot ab, auch die Arbeit des Stadtarchivs ist unmittelbar davon betroffen. Daher wird die Inventarisierung und digitale Erfassung der Sammlungen der Städtischen Museen zwar mit großem Nachdruck verfolgt, ist jedoch durch die oben beschriebenen Probleme eine längerfristige Aufgabe und mit dem aktuellen Personal laut Stellenplan nicht zu bewältigen, ohne den laufenden musealen Betrieb und die zahlreichen weiteren Aufgaben (wie z.B. Erarbeitung eines Programms für das Stadtjubiläum, Maßnahmen in Hinblick auf eine Überarbeitung der Dauerausstellung im Falkenhof Museum und Kloster Bentlage) zu gefährden.

Die Stelle soll nicht nur die wissenschaftliche Inventarisierung beinhalten, sondern auch eine fachliche Mitarbeit bei der Depotplanung und späteren Einrichtung sowie aller weiteren begleitenden Maßnahmen. Hierfür ist umfangreiches Spezialwissen notwendig, welches auch aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich (z.B. in Hinblick auf Nachhaltigkeit) berücksichtigen sollte. Eine geeignete Fachkraft für diese Stelle zu finden, ist – angesichts der derzeitigen knappen Befristung – nicht einfach. Eine Verlängerung der Stelle auf drei Jahre hätte im Vergleich zu den jetzt verbleibenden 10 Monaten eine deutlich höhere Attraktivität der Ausschreibung zur Folge.